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Backpacking in Kambodscha – Silk Island in Phnom Penh 

Mit der Diktatur der Roten Khmer verschwand beinahe die Kunst der Kambodschanischen Seidenherstellung. Mein Reisegefährte Jan und ich stoßen in Phnom Penh auf die fast ausgelöschte Tradition der Seidenweberei. Alle zwanzig Minuten kann man mit der Fähre über den Mekong zur kleinen Insel Koh Dach schippern. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir auf palmengesäumten Wegen durch kleine Dörfer, entlang an zahlreiche Bambushütten und exotischen Früchten. Nur einen Dollar bezahlen wir jeweils für das Eintauchen in die Weberwelt auf Silk Island. Von der Pflanzung des Maulbeerbaumes, über die Zucht der Raupen und Kokons, bis hin zum Weben der Seide – alles wird uns detailliert erklärt. Täglich sitzen hier die Frauen acht Stunden an ihren Webstühlen. Drei Tage dauert es, bis ein einfacher Schal in seiner leuchtenden Pracht vollendet ist. Bei den Seidenfabriken im Stadtzentrum bekommen die älteren Weberinnen keinen Job mehr. Deswegen gibt es dieses Projekt hier, wodurch sie Arbeit, eine Wohnung und Essen erhalten. Wie die Produktion funktioniert, erklärt unser Guide Wee im Interview.

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Backpacking in Kambodscha – Aja & die Crocodile Farm in Battambang

„Wollen wir wirklich die Krokodilsfarm in Battambang besuchen?“ Mein Reisegefährte Jan und ich denken länger darüber nach. Einige Minuten lang brodelt in uns ein Cocktail aus Gewissensbissen und Wertvorstellungen. Eigentlich möchten wir keinen Rial-Schein für eine derartige Farm ausgeben, in der Krokodile gezüchtet werden, um später als Modeaccessoire in Vietnam oder als Delikatesse in Thailand zu enden. Es ist ist ein Geschäft, eine Hauptattraktion mit bitterem Beigeschmack. Unser Tuk-Tuk Fahrer Sal lächelt uns an. Er scheint unsere Überlegungen nicht ganz zu verstehen. Es kostet doch auch nur zwei Dollar pro Person. „Everybody wants to see it, it’s so interesting. You can see over 600 crocodiles there.“

Kambodscha – ein fremdes Land mit einer eigenen Kultur. Ein Urteil darf man sich, meiner Meinung nach, nicht blind erlauben. Wir schlafen eine Nacht darüber. Am nächsten Morgen spricht unser Bauchgefühl. Also los mit dem Tuk-Tuk zur Krokodilsfarm. Was sich hinter dem rostigen Stacheldraht und dem riesigen Gehege für eine persönliche Geschichte versteckt, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir treffen auf Aja, die sich hier mit ihrem Mann um die Versorgung und Pflege der Krokodile kümmert. „Do the crocodiles have a good life here?“ fragt Jan sie. Ihre Antwort kommt prompt und unerwartet: „No“. Aber um das Leben der Reptilien geht es hier nicht. Bei einem Monatsgehalt von 25 US-Dollar darf eben auch mal der Sinn für Tierschutz auf der Strecke bleiben. Zudem bekommt die 34 Jährige vom Farmbesitzer eine kleine Wohnung gestellt. Aja hat zwei Töchter und möchte ihnen ein gutes Leben ermöglichen. Durch frühere Gespräche wissen wir bereits, dass der Schulbesuch an sich kostenlos ist, wer jedoch Englisch lernen möchte muss drauf zahlen. Und das tut Aja. Ihren Töchtern zuliebe. Viel übrig bleibt für die willensstarke Frau selbst da natürlich nicht.

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Umso schöner ist es zu hören, dass ihr Bekannte aus Deutschland ein Tuk-Tuk im Wert von 600 Dollar geschenkt haben. Sobald sich die junge Mutter einen Roller dazu leisten kann, wird sie die erste Frau sein, die Touristen über Battambangs Straßen transportiert. Einen Namen wird Aja sich mit diesem Vorhaben gewiss verschaffen und wer weiß, vielleicht kann sie so auch ihre Eltern ausfindig machen. Die hat Aja nämlich nie kennengelernt.

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Backpacking in Kambodscha – das Norry von Battambang 

Der warme Wind weht durch meine Haare. Das ist also der weltberühmte Bamboo Train, oder wie er richtig im Khmer Wortlaut heißt: Norry. Bum-Bum-Bum-Bum – rattert die Draisinenbahn mit 40 km/h über die verbogenen Bahngleise. Hinter mir knattert der 6-PS- Benzinmotor. Er presst die Bambusbalken-Plattform auf zwei Achsen mit voller Kraft voran.

In den 1980er Jahren wurde aus der Not heraus der erste Bambuszug gebaut und funktionierte als Schienentaxi auf ehemaligen Kolonialtrassen. Im Vergleich zu den klassischen Zügen diente das Norry vor allem als günstiges Transportmittel für Bauern und Lasten in abgelegenen Regionen. Seitdem im Jahr 2009 die Eisenbahn in Kambodscha zunächst komplett eingestellt wurde, entwickelte sich das Norry für viele Menschen zu einem noch unentbehrlicheren Verkehrsmittel.

Doch unser Streckenabschnitt fungiert heute nur noch als Touristenmagnet. 5$ pro Person kostet die einstündige Reise in die Vergangenheit. Wer dieses Vergnügen noch erleben will, sollte sich jedoch beeilen, denn die Strecken werden zur Zeit saniert und sollen in Zukunft wieder offiziell benutzt werden.

Wir werden langsamer. Der einzelne Gleis, auf dem wir uns bewegen, ist keine Einbahnstraße und von vorne nähert sich ein weiterer Bambuszug auf seinem Rückweg. „Sorry guys, please stand up“ sagt unser Fahrer, denn wir sind mit nur zwei Passagieren in der Unterzahl. Nach den Regeln der kambodschanischen Zugfahrtkünste bedeutet das: „Warten“. Also stehen wir auf und beobachten, wie unser hölzernes Gefährt auseinandergebaut wird, um dem anderen die Weiterfahrt zu ermöglichen. Fröhlich winkend fährt die vierköpfige Familie an uns vorbei und unser Norry-Baukasten wird wieder zusammengesetzt. „Nächstes Mal gewinnen wir“ denke ich mir…

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Backpacking in Kambodscha – Floating Villages

„Heute ist der Tag, an dem wir den Tonle Sap Lake überqueren“ denke ich mir, als wir aus dem Pick-up-Bus steigen, der uns zu dem kleinen Hafengelände in der Nähe von Siem Reap gebracht hat. Bekannt ist der Süßwassersee als der größte Südostasiens. Ein Naturparadies für 150 Fischarten, seltene Wasservögel, zahlreiche Wasserschlangen und Siam-Krokodile.

Sowohl Jan, als auch ich, sind berufsbedingt bereits auf Kreuzfahrtschiff, Katamaran, Rescueboot und Schaluppe mitgefahren. Mit den Tenderbooten von AIDA Cruises hat unser heutiges Gefährt allerdings wenig gemeinsam. Unsere Rucksäcke werden vom Bootsanleger auf dem hölzernen Kutterdach deponiert und wir gesellen uns unter Deck zu den anderen zwanzig Leuten. Eine gemütliche Runde. Es soll bei den über 30 Grad noch gemütlicher werden. Auch wenn der Motor im Laufe der Fahrt ein paar Mal zu funken beginnt. Kambodscha ist und bleibt halt ein Abenteuer. Ein Abenteuer, das uns 17 Dollar pro Person kostet. Laut den Reiseleitern in Siem Reap braucht man für die Bootsfahrt nach Battambang zwischen fünf und zwölf Stunden. Wir werden mit einer kurzen Toilettenpause, denn ein WC gibt es nicht an Bord, sechs brauchen. Das liegt unter Anderem daran, dass unser Kapitän des öfteren anhalten muss, um die Schiffsschraube von den Wasserpflanzen zu befreien, die sich an ihr, in den engeren Passagen, verfangen haben. „Achtung“ rufe ich Jan zu, damit er seinen Kopf zurück zieht. Die Zweige der Bäume peitschen ins Innere unseres Bootes. Mittlerweile gibt es gar keine Passagen mehr und unser Bug wird zu einer Art Eisbrecher, allerdings für Geäst und Wurzeln. Nach circa einer Stunde, ein Hupen. Sind wir etwa schon da? Nicht ganz, dafür bietet sich uns ein atemberaubender Anblick, mit dem wir nicht gerechnet hätten.

Entlang des Sangker River tauchen zunächst vereinzelt Fischerhütten am Ufer auf. Wenig später erreichen wir schließlich ganze Dörfer. Schulen, Werkstätten, Kiosks, sogar eine Moschee – eine ganz eigene Zivilisation kann man hier auf Pontons gebaut, bestaunen. Nahezu das gesamte Leben von 1 115 Familien findet hier auf dem Fluss statt. Kinder winken uns zu: „Hello!“ Unsere Hupe lockt ein Longtailboot an, in dem eine Frau sitzt und paddelt. Sie überreicht ein Paket und fährt wieder. Post, wie wir später erfahren werden, die die Schiffsbesatzung in Battambang abgeben soll. Aber unser Kahn wird nicht nur zum Versandservice. Immer wieder kommen Leute angefahren und steigen bei uns ein. Ein Busfahrunternehmen der etwas anderen Art.