AIDAbella: Was ich von den Malediven mitnehme

In der Hauptstadt Malé gingen im Februar Hunderte auf die Straßen. Sie verlangen die Rehabilitierung des Ex-Präsidenten. Das Oberste Gerichtshof entschied mehrere führende Oppositionspolitiker aus der Haft zu entlassen und die an Sie gerichteten Terror-Vorwürfe fallen zulassen. Medienberichten zufolge weigert sich der aktuelle Präsident Yameen, das Urteil des Gerichts zur Rehabilitierung umzusetzen. Dieses Urteil sei eine Gefahr der nationalen Sicherheit. Aus Urlaubsparadies wird Konfliktzone. Crew und Gästen wird empfohlen den Besuch der Hauptstadt zu vermeiden. Die Gefahr soll überall lauern. – Ich laufe alleine durch die Straßen. Von Gefahr, Gewalt und Bedrohung spüre ich nichts. Stattdessen erfahre ich Gastfreundlichkeit. Ich treffe Mohamed Fareed. 34 Jahre. Zwei Kinder und hier geboren. Er führt mich durch die Stadt, lädt mich zuhause zum Kaffee ein und zeigt mir, dass hinter der verschrienen Hochburg des Islamismus – einfache Menschen stecken. Danke! Was nehme ich mit: „Reisen bedeutet, bleibe furchtlos, respektvoll und immer neugierig.“

AIDAbella: Putrajaya – Dreharbeiten zwischen Erfolg und Perfektion

Dreharbeiten mit Superlativen – „Jaya“ – Erfolg und Perfektion , darüber definiert sich die Planstadt Putrajaya. Künstlich angelegt dient sie als Verwaltungszentrum Malaysias. Besonders beeindruckend sind die rosafarbene Putra Moschee für 15.000 Gläubige und die Metallmoschee für 20.000 Gläubige. Dementsprechend gibt es hier auch kein Bier zu kaufen. Monopoly in real life!

Ein Blick zurück – 7 schräge Storys aus Kambodscha

Zuhause. Drei Wochen sind mein Arbeitskollege Jan und ich mit dem Rucksack durch Kambodscha gereist. Und nun? Er arbeitet wieder auf dem Schiff als 1. TV Operator und ich packe schon den Koffer für den nächsten Einsatz auf AIDAbella. Ein neues Kapitel beginnt. Also lasst uns noch ein letztes Mal zurückblicken. Die schrägsten Momente haben wir für Euch zusammengestellt!   

 img_0466Am traumhaften Otres Beach bei Sihanoukville, im exotischen Dschungel von Mondulkiri, am riesigen Vulkansee in Banlung – die nervigen Moskitos wimmeln überall. In weiten Teilen von Kambodscha herrscht ein erhöhtes Malaria-Risiko. Dagegen gelten Siem Reap, Angkor Wat und Phnom Penh als malariafrei. Die empfohlene Ausrüstung: das rezeptpflichtige Stand-by-Medikament Malarone, ein Moskitonetz und jede Menge Mückenspray. Daraus ergibt sich ein komischer Alltag: Ein stündliches Bad mit dem Mückenspray Antibrumm, die abendliche Befestigung des Moskitonetzes mit Gaffer und das genaueste Ableuchten mit der Taschenlampe, dass ja kein Weg mehr hineinführt. „Hörst du das, Jan?“ Vorsicht, Paranoia-Gefahr! Mein Resultat – ein Stich und mir geht es (noch) gut.

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Bewusst und unbewusst treffen wir am Tag manchmal bis zu 100.000 Entscheidungen. Boot oder Bus? Dschungeltour oder Städtetrip? Weiterfahren oder bleiben?  Oftmals mussten wir gar nicht lange überlegen. Ansonsten: „Kopf oder Zahl? Lassen wir das Schicksal entscheiden.“ Beispielsweise standen wir in Phnom Penh vor der Entscheidung: „Schlafen oder Party?“ Die Münze entschied: „Party!“ Die Kambodschaner „Mr. Bond“ und So Pal würden uns auch einladen. Doch 34 Dollar für sechs Bier konnten sie sich dann doch nicht leisten (ja die Clubwahl war eine schlechte Entscheidung). Geschockt und peinlich berührt schieben sie die Rechnung zu uns hinüber. Wir greifen tief ins Portemonnaie. Nachdem wir unsere überteuerten Getränke zwischen Security-Hengsten und betrunkenen Schnöseln hinter genippt hatten, verließen wir den Nobelladen. „Mr. Bond“ ging direkt zum nächsten Supermarkt, um seine „Schulden“ mit Bierdosen zu bereinigen. Ihm war es äußerst unangenehm. Am Ende lachten wir alle trotzdem darüber und es endete mit einer Party im Tuk-Tuk.

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Kambodscha riechen, sehen, erleben – all das gibt eine Tuk Tuk-Fahrt her. Zur Regenzeit umso mehr. Meistens haben wir ein und denselben Chauffeur für unseren gesamten Aufenthalt an einem Ort. Da wäre die eine Geschichte bei strömenden Regen durch Battambang. Eine Kokosnuss wird zwischen Bürgersteigen und Plastikmüll, entlang der überfluteten Straße gespült. Unser Fahrer Sel bietet uns an, die Regenplane über den Tuk Tuk zu spannen. Wir verzichten und genießen die erfrischende Brise. Wer, so wie wir, denkt „Ach so nass wird es schon nicht werden“ muss sich nach Ankunft erst einmal umziehen. Glaubt mir, es wird nass. Genügend Regen gab es auch in Banlung. Seit dem ersten Tag machen Jan und ich den Witz, dass wir irgendwann noch ein Tuk Tuk schieben müssen. Der Schlamm spritzt am Fahrzeug hoch. Es geht bergauf. Unser Fahrer Sophad schiebt und verliert dabei seine Flip-Flops. Der 25 Jährige bittet uns ihm zur Hand zu gehen. „Redet er mit uns?“ Tuk Tuk schieben? Check. Und es war verdammt nicht einfach…

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Das Killing Field Choeung Eik – etwa 17 km südlich von Phnom Penh. Unter der Diktatur von Pol Pot wurden hier etwa 17 000 Menschen exekutiert. Mitte der 70er Jahre wollte das Regime der Roten Khmer ein Bauervolk errichten – die Helden. 500 verlorene Seelen wurden zur Hochzeit täglich vom naheliegenden Sicherheitsgefängnis 21 an diesen finsteren Ort transportiert.  Der Schrecken endet erst 1979 mit dem Einmarsch der Vietnamesen. Nachdem wir das Gelände mit gemischten Gefühlen verlassen, kommt ein Tuk Tuk Fahrer auf uns zu: „You wanna shoot?“ Er könnte uns zu einer Shooting Range fahren. Bazooka, AK47, M79 Granatwerfer – die Auswahl ist groß. Ich habe von dieser Touristenattraktion gehört und glaube, es ist eine Gewissenssache, ob man Waffen bedienen will, die Menschenleben ausgelöscht haben. Jan und ich wollen es nicht. Stattdessen besuchen wir das Tuol-Sleng-Genozid-Gefängnis, das einst eine Schule war. Menschen schreiben blutige Geschichte. Lieber möchte ich versuchen deren Taten zu verstehen, statt mit einer Waffe ins Nichts oder auf Tiere zu schießen.

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Entspannt den Tag ausklingen lassen. Das bedeutet einfach nur sitzen, ein Bier aufmachen, in einer netten Runde anstoßen und eine Massage genießen. Moment mal, eine Massage? Ich drehe mich um und sehe „Ach, das ist ja nur der Junge, der mir eben noch Nüsse verkaufen wollte.“ Dann jedoch wird mir klar: „Das ist der Junge, der mir eben noch Nüsse verkaufen wollte.“ Eine interessante Bettelmasche, die funktioniert. Neugierig, süß und vor allem clever – das sind die Kinder von Kambodscha. Genau das wissen die Kambodschaner zu nutzen. Bei Kindern wird uns Touristen schnell warm uns Herz, wir werden weich, und „zack“ landet ein Dollar in ihren Händen. „Nochmal fallen wir aber nicht auf so etwas rein“ sage ich zu Jan, während ich die Nüsse bezahle. Denkste. Ein paar Tage später leiste ich einen „Kleinen-Finger-Schwur“, dass ich ein Armband kaufe. Ein paar Stunden später spielt eine Gruppe Khmer-Jungs mit mir das Spiel „Wir sind deine Reiseführer“. Doch was als Spaß beginnt, ist für die Kids ein Geschäft, das sie verdammt ernst nehmen. „I need a book for school“ rufen sie im Kanon, als sie merken, dass ich dabei bin zu gehen. Mein Rat: Kauft bewusst Produkte von Erwachsenen und wiedersteht den bettelnden Kinderaugen. Irgendwann kann vielleicht damit der Teufelskreis durchbrochen werden.

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Menschen, die einfach mitten in der Nacht im Hotelzimmer stehen und Affengebrüll vom Nachbarsbaum. Die Unterkünfte in Kambodscha waren zum Teil tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Doch zum Glück wurde ich direkt in der ersten Nacht gut vorbereitet, auf das was noch kommen sollte. Ein Werbetext für diese Unterkunft würde in etwa wie folgt aussehen:

„Wenn Sie das Baray Angkor Guesthouse besuchen, erleben Sie Phnom Penh mit allen Sinnen. Der aromatische Geruch von frischem Katzenurin lädt zum Verweilen ein. Doch nicht nur Katzen, auch anderes Getier können Sie hier in freier Wildbahn ungestört beobachten. Direkt von ihrem Bett aus, oder beim Duschen. Sie machen sich Sorgen um ihre Wertsachen? Kein Problem! Sicherheit wird bei uns groß geschrieben. Deshalb verzichten wir darauf jedem unserer Gäste einen nervigen Schlüssel für die Haustür mitzugeben und stellen stattdessen eine Dame ab, die in der Lobby auf einem Sofa schläft. Sie können sie bei Bedarf einfach wecken und sich die Tür öffnen lassen. Das Baray Angkor Guesthouse wünscht ihnen einen schönen Aufenthalt.“

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Es ist unser vorletzter Tag in Kambodscha und wir sind zurück in Phnom Penh. Unser Ziel: Das Restaurant, in dem wir vor knapp drei Wochen Mengli kennen gelernt haben. Wie erwartet ist der 50 Jährige vor Ort und begrüßt uns mit offenen Armen und seinem typischen schelmenhaften Lachen. Mengli ist hauptberuflich Tuk-Tuk Fahrer. In dem Restaurant seines chinesischen Freundes hilft er mit englischer und kambodschanischer Freundlichkeit aus. Ich erinnere mich zurück, wie wir hier mehrere Stunden verbrachten, als Unterschlupf zum Schutz vor dem ersten großen Regenschauer. Mengli brachte uns erste Worte auf der Khmer-Sprache bei, die uns später viele Türen öffnen sollten. Eine der interessantesten Türen hat jedoch nicht die Sprache, sondern Mengli selber geöffnet, als er uns zu sich nach Hause einlud, um mit ihm Bier zu trinken, mit seiner Tochter Kheng Englisch zu lernen und mit den Nachbarskindern zu bolzen. „You are back“, sagt er mit breitem Grinsen. „Yes, tomorrow we will leave“ antwortet Jan. Wir verbringen einen letzten Tag mit dem Mann, mit dem wir auch die ersten Tage verbracht haben.

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Backpacking in Kambodscha – Silk Island in Phnom Penh 

Mit der Diktatur der Roten Khmer verschwand beinahe die Kunst der Kambodschanischen Seidenherstellung. Mein Reisegefährte Jan und ich stoßen in Phnom Penh auf die fast ausgelöschte Tradition der Seidenweberei. Alle zwanzig Minuten kann man mit der Fähre über den Mekong zur kleinen Insel Koh Dach schippern. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir auf palmengesäumten Wegen durch kleine Dörfer, entlang an zahlreiche Bambushütten und exotischen Früchten. Nur einen Dollar bezahlen wir jeweils für das Eintauchen in die Weberwelt auf Silk Island. Von der Pflanzung des Maulbeerbaumes, über die Zucht der Raupen und Kokons, bis hin zum Weben der Seide – alles wird uns detailliert erklärt. Täglich sitzen hier die Frauen acht Stunden an ihren Webstühlen. Drei Tage dauert es, bis ein einfacher Schal in seiner leuchtenden Pracht vollendet ist. Bei den Seidenfabriken im Stadtzentrum bekommen die älteren Weberinnen keinen Job mehr. Deswegen gibt es dieses Projekt hier, wodurch sie Arbeit, eine Wohnung und Essen erhalten. Wie die Produktion funktioniert, erklärt unser Guide Wee im Interview.

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Backpacking in Kambodscha – Aja & die Crocodile Farm in Battambang

„Wollen wir wirklich die Krokodilsfarm in Battambang besuchen?“ Mein Reisegefährte Jan und ich denken länger darüber nach. Einige Minuten lang brodelt in uns ein Cocktail aus Gewissensbissen und Wertvorstellungen. Eigentlich möchten wir keinen Rial-Schein für eine derartige Farm ausgeben, in der Krokodile gezüchtet werden, um später als Modeaccessoire in Vietnam oder als Delikatesse in Thailand zu enden. Es ist ist ein Geschäft, eine Hauptattraktion mit bitterem Beigeschmack. Unser Tuk-Tuk Fahrer Sal lächelt uns an. Er scheint unsere Überlegungen nicht ganz zu verstehen. Es kostet doch auch nur zwei Dollar pro Person. „Everybody wants to see it, it’s so interesting. You can see over 600 crocodiles there.“

Kambodscha – ein fremdes Land mit einer eigenen Kultur. Ein Urteil darf man sich, meiner Meinung nach, nicht blind erlauben. Wir schlafen eine Nacht darüber. Am nächsten Morgen spricht unser Bauchgefühl. Also los mit dem Tuk-Tuk zur Krokodilsfarm. Was sich hinter dem rostigen Stacheldraht und dem riesigen Gehege für eine persönliche Geschichte versteckt, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir treffen auf Aja, die sich hier mit ihrem Mann um die Versorgung und Pflege der Krokodile kümmert. „Do the crocodiles have a good life here?“ fragt Jan sie. Ihre Antwort kommt prompt und unerwartet: „No“. Aber um das Leben der Reptilien geht es hier nicht. Bei einem Monatsgehalt von 25 US-Dollar darf eben auch mal der Sinn für Tierschutz auf der Strecke bleiben. Zudem bekommt die 34 Jährige vom Farmbesitzer eine kleine Wohnung gestellt. Aja hat zwei Töchter und möchte ihnen ein gutes Leben ermöglichen. Durch frühere Gespräche wissen wir bereits, dass der Schulbesuch an sich kostenlos ist, wer jedoch Englisch lernen möchte muss drauf zahlen. Und das tut Aja. Ihren Töchtern zuliebe. Viel übrig bleibt für die willensstarke Frau selbst da natürlich nicht.

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Umso schöner ist es zu hören, dass ihr Bekannte aus Deutschland ein Tuk-Tuk im Wert von 600 Dollar geschenkt haben. Sobald sich die junge Mutter einen Roller dazu leisten kann, wird sie die erste Frau sein, die Touristen über Battambangs Straßen transportiert. Einen Namen wird Aja sich mit diesem Vorhaben gewiss verschaffen und wer weiß, vielleicht kann sie so auch ihre Eltern ausfindig machen. Die hat Aja nämlich nie kennengelernt.

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Backpacking in Kambodscha – das Norry von Battambang 

Der warme Wind weht durch meine Haare. Das ist also der weltberühmte Bamboo Train, oder wie er richtig im Khmer Wortlaut heißt: Norry. Bum-Bum-Bum-Bum – rattert die Draisinenbahn mit 40 km/h über die verbogenen Bahngleise. Hinter mir knattert der 6-PS- Benzinmotor. Er presst die Bambusbalken-Plattform auf zwei Achsen mit voller Kraft voran.

In den 1980er Jahren wurde aus der Not heraus der erste Bambuszug gebaut und funktionierte als Schienentaxi auf ehemaligen Kolonialtrassen. Im Vergleich zu den klassischen Zügen diente das Norry vor allem als günstiges Transportmittel für Bauern und Lasten in abgelegenen Regionen. Seitdem im Jahr 2009 die Eisenbahn in Kambodscha zunächst komplett eingestellt wurde, entwickelte sich das Norry für viele Menschen zu einem noch unentbehrlicheren Verkehrsmittel.

Doch unser Streckenabschnitt fungiert heute nur noch als Touristenmagnet. 5$ pro Person kostet die einstündige Reise in die Vergangenheit. Wer dieses Vergnügen noch erleben will, sollte sich jedoch beeilen, denn die Strecken werden zur Zeit saniert und sollen in Zukunft wieder offiziell benutzt werden.

Wir werden langsamer. Der einzelne Gleis, auf dem wir uns bewegen, ist keine Einbahnstraße und von vorne nähert sich ein weiterer Bambuszug auf seinem Rückweg. „Sorry guys, please stand up“ sagt unser Fahrer, denn wir sind mit nur zwei Passagieren in der Unterzahl. Nach den Regeln der kambodschanischen Zugfahrtkünste bedeutet das: „Warten“. Also stehen wir auf und beobachten, wie unser hölzernes Gefährt auseinandergebaut wird, um dem anderen die Weiterfahrt zu ermöglichen. Fröhlich winkend fährt die vierköpfige Familie an uns vorbei und unser Norry-Baukasten wird wieder zusammengesetzt. „Nächstes Mal gewinnen wir“ denke ich mir…

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Backpacking in Kambodscha – Floating Villages

„Heute ist der Tag, an dem wir den Tonle Sap Lake überqueren“ denke ich mir, als wir aus dem Pick-up-Bus steigen, der uns zu dem kleinen Hafengelände in der Nähe von Siem Reap gebracht hat. Bekannt ist der Süßwassersee als der größte Südostasiens. Ein Naturparadies für 150 Fischarten, seltene Wasservögel, zahlreiche Wasserschlangen und Siam-Krokodile.

Sowohl Jan, als auch ich, sind berufsbedingt bereits auf Kreuzfahrtschiff, Katamaran, Rescueboot und Schaluppe mitgefahren. Mit den Tenderbooten von AIDA Cruises hat unser heutiges Gefährt allerdings wenig gemeinsam. Unsere Rucksäcke werden vom Bootsanleger auf dem hölzernen Kutterdach deponiert und wir gesellen uns unter Deck zu den anderen zwanzig Leuten. Eine gemütliche Runde. Es soll bei den über 30 Grad noch gemütlicher werden. Auch wenn der Motor im Laufe der Fahrt ein paar Mal zu funken beginnt. Kambodscha ist und bleibt halt ein Abenteuer. Ein Abenteuer, das uns 17 Dollar pro Person kostet. Laut den Reiseleitern in Siem Reap braucht man für die Bootsfahrt nach Battambang zwischen fünf und zwölf Stunden. Wir werden mit einer kurzen Toilettenpause, denn ein WC gibt es nicht an Bord, sechs brauchen. Das liegt unter Anderem daran, dass unser Kapitän des öfteren anhalten muss, um die Schiffsschraube von den Wasserpflanzen zu befreien, die sich an ihr, in den engeren Passagen, verfangen haben. „Achtung“ rufe ich Jan zu, damit er seinen Kopf zurück zieht. Die Zweige der Bäume peitschen ins Innere unseres Bootes. Mittlerweile gibt es gar keine Passagen mehr und unser Bug wird zu einer Art Eisbrecher, allerdings für Geäst und Wurzeln. Nach circa einer Stunde, ein Hupen. Sind wir etwa schon da? Nicht ganz, dafür bietet sich uns ein atemberaubender Anblick, mit dem wir nicht gerechnet hätten.

Entlang des Sangker River tauchen zunächst vereinzelt Fischerhütten am Ufer auf. Wenig später erreichen wir schließlich ganze Dörfer. Schulen, Werkstätten, Kiosks, sogar eine Moschee – eine ganz eigene Zivilisation kann man hier auf Pontons gebaut, bestaunen. Nahezu das gesamte Leben von 1 115 Familien findet hier auf dem Fluss statt. Kinder winken uns zu: „Hello!“ Unsere Hupe lockt ein Longtailboot an, in dem eine Frau sitzt und paddelt. Sie überreicht ein Paket und fährt wieder. Post, wie wir später erfahren werden, die die Schiffsbesatzung in Battambang abgeben soll. Aber unser Kahn wird nicht nur zum Versandservice. Immer wieder kommen Leute angefahren und steigen bei uns ein. Ein Busfahrunternehmen der etwas anderen Art.