AIDA CRUISES: Mein neuer Job als 2nd TV Operator, meine erste Route

Ahoi! Am 04. März geht es an Bord! Für die nächsten 4,5 Monate bin ich als 2nd TV Operator in der Videoabteilung auf dem Kreuzfahrtschiff AIDAstella angestellt. Drei TV-Leute, aufgeteilt in Zwei-Mann-Teams, erwarten mich.  Unsere Aufgaben – der Dreh und Schnitt der Reisedokumentation Unvergessliche Momente und das Fahren der AIDA TV Sendungen und Live-Shows an den Kameras und Bildmischer. Lange Tage und kurze Nächte stehen mir bevor. Wochenenden wird es nicht geben. Aber es ist eben kein Urlaub, sondern ein ganz normaler Job mit einem vielseitigen Arbeitsalltag. Ein Alltag mit den unterschiedlichsten Menschen aus 40 Nationen, wenig Privatsphäre, atemberaubende Landschaften, eingeschränktem Internet- und Telefonzugang  und fremden Kulturen. Mit den nächsten Beiträgen nehme ich Euch mit an Bord, gebe einen Einblick in meine Reisetagebücher und Fotos, die dabei entstehen. Vielleicht kann ich Euch für den einen oder anderen Ort begeistern. Ich freue mich darauf, denn die Schiffsroute lässt auf eine unvergessliche Zeit hoffen!

 

AIDA CRUISES: Basic Safety Training Hochseerettung 2016

Überleben auf See, Bekämpfung und Löschen von Bränden, Einleiten von Maßnahmen nach einem Notfall, Massen evakuieren – volles Programm beim Basic Safety Training an der Schifffahrtsschule in Rostock. Eine wichtige Voraussetzung, will man bei Reedereien anheuern. Und das will ich. 4,5 Monate werde ich als 2nd TV Operator für das Kreuzfahrtunternehmen AIDA Cruises arbeiten. Bevor ich an Bord darf, muss auch ich das 5-tägige Sicherheitstraining absolvieren.

Hinter uns schließt sich die Tür. Schnell umringt uns die Dunkelheit. Wir sind zu acht. Acht Crewmitglieder, die nun auf ihren Vordermann vertrauen. Unsere Aufgabe: Es brennt. Findet den Feuerlöscher und den Weg aus den Containern, die als Schiffsinnenraumsimulation dienen. Ich führe die Gruppe zunächst an. Der dichte Nebelmaschinenrauch lässt meine Taschenlampe sinnlos erscheinen. Meine Sichtweite ist gleich null. Vorsichtig steige ich eine Stufe nach der anderen hinab. Gemeinsam bilden wir mit unseren Händen eine Personenkette, damit die Finsternis uns nicht auseinanderbricht. Nicht stolpern, denke ich mir, ansonsten folgt mir die ganze Truppe, wie Lemminge, fallend in das vor mir liegende schwarze Loch. Jeden Schritt versuche ich so genau wie möglich mit Worten zu beschreiben. In Gänsemarsch geht es bedachtsam voran. Ein paar Minuten vergehen.

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Mittlerweile knie ich auf den Boden. Meine Signallampe stelle ich neben mir ab. Mit der rechten Hand halte ich mich an meiner Kollegin fest. Vorsichtig taste ich mich mit meiner linken Hand durch jede Ecke. Ich spüre verschiedene Metallrohre, aber nichts davon ähnelt einem Feuerlöscher. Auch meine Crewkollegen suchen ihre Bereiche ab. Einer ruft mehrfach: „Schau noch mal unter der Treppe nach!“ Wenn ich nur etwas sehen könnte. Der Schleier aus Rauch verdichtet sich von Sekunde zu Sekunde immer mehr. Das Atmen fühlt sich unangenehm an. Das laute Brummen der Nebelmaschine verschlingt einzelne Wörter der Gruppe. Noch einmal taste ich den Boden unter der Treppe ab. Von links nach rechts und von vorne nach hinten. Mittlerweile müsste auch dort das letzte Staubkorn aufgewühlt sein. Innerlich macht sich der Gedanke breit, dass wir weitergehen müssen. Doch, wo geht es weiter?

Ich fühle mich orientierungslos. Ein anderer spricht es nun aus: „Wir müssen weiter, hier ist der Feuerlöscher nicht.“ Doch durch den simulierten Lärm scheinen es einige nicht verstanden zu haben und bleiben stehen. Ich versuche mich langsam an unserer Personenkette nach vorne zu schlängeln. Doch dazu ist der Durchgang zu eng. Es hilft nichts, ich muss die Signallampe für die Person am anderen Ende durchgeben. Eine komische Situation, da ich ja eigentlich die Gruppe anführen sollte. Lange Zeit, um darüber nachzudenken, bleibt nicht. Gemeinsam gehen wir in den unteren Container. Ich verliere das Zeitgefühl. Ich ertappe mich dabei, dass ich daran zweifle, ob es richtig war, die Führung abzugeben. „Ich habe ihn“, ruft einer euphorisch. Schnell verschwinden meine Zweifel in dem dichten Nebel des Containers. Unsere Gruppe dreht sich wieder in Richtung Ausgang. Ich taste vorsichtig die Tür ab, bis ich endlich die Klinke nach unten drücken kann. Geschafft!

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Eigentlich waren es nur ein paar Minuten und der Ablauf verlief längst nicht so dramatisch, wie es an manchen Stellen klingen mag. Aber gerade diese Übung hat gezeigt, wie wichtig es ist vorsichtig und bedacht, aber dennoch schnell zu entscheiden. So schwierig die Situation auch erscheint, wichtig ist es in der Gruppe zu bleiben, keinen zurücklassen und klar zu kommunizieren. Eine führende Person ist dabei wichtig, aber man sollte immer mitdenken und mögliche Alternativwege aufzeigen, wenn diese nicht weiter weiß.

Man glaubt gar nicht, wie schnell so eine Woche vollkommen fremde Leute zusammenschweißen kann. Wer mehr über die Übungen erfahren will, den kann ich folgenden Videobeitrag (Bild klicken) von SPIEGEL TV empfehlen:

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Das 5-tägige Basic Safety Training dient dazu, um sich umfassend mit Sicherheitsmaßnahmen, welche auf dem Kreuzfahrtschiff notwendig sind, vertraut zu machen. Tatsache ist, ich fühle mich nun mehr bereit für meinen Erstaufstieg auf die AIDAstella als 2nd TV Operator.