Ein Blick zurück – 7 schräge Storys aus Kambodscha

Zuhause. Drei Wochen sind mein Arbeitskollege Jan und ich mit dem Rucksack durch Kambodscha gereist. Und nun? Er arbeitet wieder auf dem Schiff als 1. TV Operator und ich packe schon den Koffer für den nächsten Einsatz auf AIDAbella. Ein neues Kapitel beginnt. Also lasst uns noch ein letztes Mal zurückblicken. Die schrägsten Momente haben wir für Euch zusammengestellt!   

 img_0466Am traumhaften Otres Beach bei Sihanoukville, im exotischen Dschungel von Mondulkiri, am riesigen Vulkansee in Banlung – die nervigen Moskitos wimmeln überall. In weiten Teilen von Kambodscha herrscht ein erhöhtes Malaria-Risiko. Dagegen gelten Siem Reap, Angkor Wat und Phnom Penh als malariafrei. Die empfohlene Ausrüstung: das rezeptpflichtige Stand-by-Medikament Malarone, ein Moskitonetz und jede Menge Mückenspray. Daraus ergibt sich ein komischer Alltag: Ein stündliches Bad mit dem Mückenspray Antibrumm, die abendliche Befestigung des Moskitonetzes mit Gaffer und das genaueste Ableuchten mit der Taschenlampe, dass ja kein Weg mehr hineinführt. „Hörst du das, Jan?“ Vorsicht, Paranoia-Gefahr! Mein Resultat – ein Stich und mir geht es (noch) gut.

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Bewusst und unbewusst treffen wir am Tag manchmal bis zu 100.000 Entscheidungen. Boot oder Bus? Dschungeltour oder Städtetrip? Weiterfahren oder bleiben?  Oftmals mussten wir gar nicht lange überlegen. Ansonsten: „Kopf oder Zahl? Lassen wir das Schicksal entscheiden.“ Beispielsweise standen wir in Phnom Penh vor der Entscheidung: „Schlafen oder Party?“ Die Münze entschied: „Party!“ Die Kambodschaner „Mr. Bond“ und So Pal würden uns auch einladen. Doch 34 Dollar für sechs Bier konnten sie sich dann doch nicht leisten (ja die Clubwahl war eine schlechte Entscheidung). Geschockt und peinlich berührt schieben sie die Rechnung zu uns hinüber. Wir greifen tief ins Portemonnaie. Nachdem wir unsere überteuerten Getränke zwischen Security-Hengsten und betrunkenen Schnöseln hinter genippt hatten, verließen wir den Nobelladen. „Mr. Bond“ ging direkt zum nächsten Supermarkt, um seine „Schulden“ mit Bierdosen zu bereinigen. Ihm war es äußerst unangenehm. Am Ende lachten wir alle trotzdem darüber und es endete mit einer Party im Tuk-Tuk.

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Kambodscha riechen, sehen, erleben – all das gibt eine Tuk Tuk-Fahrt her. Zur Regenzeit umso mehr. Meistens haben wir ein und denselben Chauffeur für unseren gesamten Aufenthalt an einem Ort. Da wäre die eine Geschichte bei strömenden Regen durch Battambang. Eine Kokosnuss wird zwischen Bürgersteigen und Plastikmüll, entlang der überfluteten Straße gespült. Unser Fahrer Sel bietet uns an, die Regenplane über den Tuk Tuk zu spannen. Wir verzichten und genießen die erfrischende Brise. Wer, so wie wir, denkt „Ach so nass wird es schon nicht werden“ muss sich nach Ankunft erst einmal umziehen. Glaubt mir, es wird nass. Genügend Regen gab es auch in Banlung. Seit dem ersten Tag machen Jan und ich den Witz, dass wir irgendwann noch ein Tuk Tuk schieben müssen. Der Schlamm spritzt am Fahrzeug hoch. Es geht bergauf. Unser Fahrer Sophad schiebt und verliert dabei seine Flip-Flops. Der 25 Jährige bittet uns ihm zur Hand zu gehen. „Redet er mit uns?“ Tuk Tuk schieben? Check. Und es war verdammt nicht einfach…

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Das Killing Field Choeung Eik – etwa 17 km südlich von Phnom Penh. Unter der Diktatur von Pol Pot wurden hier etwa 17 000 Menschen exekutiert. Mitte der 70er Jahre wollte das Regime der Roten Khmer ein Bauervolk errichten – die Helden. 500 verlorene Seelen wurden zur Hochzeit täglich vom naheliegenden Sicherheitsgefängnis 21 an diesen finsteren Ort transportiert.  Der Schrecken endet erst 1979 mit dem Einmarsch der Vietnamesen. Nachdem wir das Gelände mit gemischten Gefühlen verlassen, kommt ein Tuk Tuk Fahrer auf uns zu: „You wanna shoot?“ Er könnte uns zu einer Shooting Range fahren. Bazooka, AK47, M79 Granatwerfer – die Auswahl ist groß. Ich habe von dieser Touristenattraktion gehört und glaube, es ist eine Gewissenssache, ob man Waffen bedienen will, die Menschenleben ausgelöscht haben. Jan und ich wollen es nicht. Stattdessen besuchen wir das Tuol-Sleng-Genozid-Gefängnis, das einst eine Schule war. Menschen schreiben blutige Geschichte. Lieber möchte ich versuchen deren Taten zu verstehen, statt mit einer Waffe ins Nichts oder auf Tiere zu schießen.

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Entspannt den Tag ausklingen lassen. Das bedeutet einfach nur sitzen, ein Bier aufmachen, in einer netten Runde anstoßen und eine Massage genießen. Moment mal, eine Massage? Ich drehe mich um und sehe „Ach, das ist ja nur der Junge, der mir eben noch Nüsse verkaufen wollte.“ Dann jedoch wird mir klar: „Das ist der Junge, der mir eben noch Nüsse verkaufen wollte.“ Eine interessante Bettelmasche, die funktioniert. Neugierig, süß und vor allem clever – das sind die Kinder von Kambodscha. Genau das wissen die Kambodschaner zu nutzen. Bei Kindern wird uns Touristen schnell warm uns Herz, wir werden weich, und „zack“ landet ein Dollar in ihren Händen. „Nochmal fallen wir aber nicht auf so etwas rein“ sage ich zu Jan, während ich die Nüsse bezahle. Denkste. Ein paar Tage später leiste ich einen „Kleinen-Finger-Schwur“, dass ich ein Armband kaufe. Ein paar Stunden später spielt eine Gruppe Khmer-Jungs mit mir das Spiel „Wir sind deine Reiseführer“. Doch was als Spaß beginnt, ist für die Kids ein Geschäft, das sie verdammt ernst nehmen. „I need a book for school“ rufen sie im Kanon, als sie merken, dass ich dabei bin zu gehen. Mein Rat: Kauft bewusst Produkte von Erwachsenen und wiedersteht den bettelnden Kinderaugen. Irgendwann kann vielleicht damit der Teufelskreis durchbrochen werden.

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Menschen, die einfach mitten in der Nacht im Hotelzimmer stehen und Affengebrüll vom Nachbarsbaum. Die Unterkünfte in Kambodscha waren zum Teil tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig. Doch zum Glück wurde ich direkt in der ersten Nacht gut vorbereitet, auf das was noch kommen sollte. Ein Werbetext für diese Unterkunft würde in etwa wie folgt aussehen:

„Wenn Sie das Baray Angkor Guesthouse besuchen, erleben Sie Phnom Penh mit allen Sinnen. Der aromatische Geruch von frischem Katzenurin lädt zum Verweilen ein. Doch nicht nur Katzen, auch anderes Getier können Sie hier in freier Wildbahn ungestört beobachten. Direkt von ihrem Bett aus, oder beim Duschen. Sie machen sich Sorgen um ihre Wertsachen? Kein Problem! Sicherheit wird bei uns groß geschrieben. Deshalb verzichten wir darauf jedem unserer Gäste einen nervigen Schlüssel für die Haustür mitzugeben und stellen stattdessen eine Dame ab, die in der Lobby auf einem Sofa schläft. Sie können sie bei Bedarf einfach wecken und sich die Tür öffnen lassen. Das Baray Angkor Guesthouse wünscht ihnen einen schönen Aufenthalt.“

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Es ist unser vorletzter Tag in Kambodscha und wir sind zurück in Phnom Penh. Unser Ziel: Das Restaurant, in dem wir vor knapp drei Wochen Mengli kennen gelernt haben. Wie erwartet ist der 50 Jährige vor Ort und begrüßt uns mit offenen Armen und seinem typischen schelmenhaften Lachen. Mengli ist hauptberuflich Tuk-Tuk Fahrer. In dem Restaurant seines chinesischen Freundes hilft er mit englischer und kambodschanischer Freundlichkeit aus. Ich erinnere mich zurück, wie wir hier mehrere Stunden verbrachten, als Unterschlupf zum Schutz vor dem ersten großen Regenschauer. Mengli brachte uns erste Worte auf der Khmer-Sprache bei, die uns später viele Türen öffnen sollten. Eine der interessantesten Türen hat jedoch nicht die Sprache, sondern Mengli selber geöffnet, als er uns zu sich nach Hause einlud, um mit ihm Bier zu trinken, mit seiner Tochter Kheng Englisch zu lernen und mit den Nachbarskindern zu bolzen. „You are back“, sagt er mit breitem Grinsen. „Yes, tomorrow we will leave“ antwortet Jan. Wir verbringen einen letzten Tag mit dem Mann, mit dem wir auch die ersten Tage verbracht haben.

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