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Backpacking in Kambodscha – Aja & die Crocodile Farm in Battambang

„Wollen wir wirklich die Krokodilsfarm in Battambang besuchen?“ Mein Reisegefährte Jan und ich denken länger darüber nach. Einige Minuten lang brodelt in uns ein Cocktail aus Gewissensbissen und Wertvorstellungen. Eigentlich möchten wir keinen Rial-Schein für eine derartige Farm ausgeben, in der Krokodile gezüchtet werden, um später als Modeaccessoire in Vietnam oder als Delikatesse in Thailand zu enden. Es ist ist ein Geschäft, eine Hauptattraktion mit bitterem Beigeschmack. Unser Tuk-Tuk Fahrer Sal lächelt uns an. Er scheint unsere Überlegungen nicht ganz zu verstehen. Es kostet doch auch nur zwei Dollar pro Person. „Everybody wants to see it, it’s so interesting. You can see over 600 crocodiles there.“

Kambodscha – ein fremdes Land mit einer eigenen Kultur. Ein Urteil darf man sich, meiner Meinung nach, nicht blind erlauben. Wir schlafen eine Nacht darüber. Am nächsten Morgen spricht unser Bauchgefühl. Also los mit dem Tuk-Tuk zur Krokodilsfarm. Was sich hinter dem rostigen Stacheldraht und dem riesigen Gehege für eine persönliche Geschichte versteckt, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir treffen auf Aja, die sich hier mit ihrem Mann um die Versorgung und Pflege der Krokodile kümmert. „Do the crocodiles have a good life here?“ fragt Jan sie. Ihre Antwort kommt prompt und unerwartet: „No“. Aber um das Leben der Reptilien geht es hier nicht. Bei einem Monatsgehalt von 25 US-Dollar darf eben auch mal der Sinn für Tierschutz auf der Strecke bleiben. Zudem bekommt die 34 Jährige vom Farmbesitzer eine kleine Wohnung gestellt. Aja hat zwei Töchter und möchte ihnen ein gutes Leben ermöglichen. Durch frühere Gespräche wissen wir bereits, dass der Schulbesuch an sich kostenlos ist, wer jedoch Englisch lernen möchte muss drauf zahlen. Und das tut Aja. Ihren Töchtern zuliebe. Viel übrig bleibt für die willensstarke Frau selbst da natürlich nicht.

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Umso schöner ist es zu hören, dass ihr Bekannte aus Deutschland ein Tuk-Tuk im Wert von 600 Dollar geschenkt haben. Sobald sich die junge Mutter einen Roller dazu leisten kann, wird sie die erste Frau sein, die Touristen über Battambangs Straßen transportiert. Einen Namen wird Aja sich mit diesem Vorhaben gewiss verschaffen und wer weiß, vielleicht kann sie so auch ihre Eltern ausfindig machen. Die hat Aja nämlich nie kennengelernt.

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