So angle ich mir mein US Visum C1/D für Schiffsbesatzung

Eine Erfahrung – vor drei Wochen beantragte ich mein C1/D Visum für Schiffsbesatzung beim US-Konsulat in München. Letzten Donnerstag folgte dort mein Interviewtermin. Zwei Tage später landete mein Reisepass inklusive Seemanns- und Transitvisum im Briefkasten. Wie geht das? 

 

 

 

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Beginnen wir, wo es aufhört. Da weht sie imposant, weit oben über dem kargen Gebäude. Die amerikanische Flagge. Es ist Donnerstagvormittag, 10:15 Uhr. Ich stehe vor dem Münchner US-Konsulat immer noch mit dem Gefühl im Magen, als hätte ich irgendetwas vergessen. Im Kopf gehe ich alles noch einmal durch, beiße mir nervös auf die Lippe und hoffe, dass alles gut verläuft. Egal, den schwersten Teil der Prozedur habe ich hinter mir. Oder?

Die richtige Kategorie – noch vier Wochen Urlaub bleiben mir und dann geht es wieder auf hohe See! Am 23. September um 16:15 Uhr hebt der Flieger vom Flughafen München Franz Josef Strauß ab in Richtung Airport Newark in New York. Für meine Einreise in die USA gibt es die verschiedensten Visaarten, die insbesondere durch die Zeit und die Art des Aufenthaltes gekennzeichnet sind. Als zukünftiges Crewmitglied des Kreuzfahrtschiffes AIDAluna, das durch die Gewässer der Vereinigten Staaten von Amerika fährt, benötige ich das C1/D Visum. Eine Kombination aus Transitvisum und Visum für Besatzungsmitglieder. Hinzu kommt außerdem ein B1/B2-Visum, das für meine Freizeit zwischen Schifffahrten in die Vereinigten Staaten von Amerika vorgeschrieben ist.

„Reisepass bitte“, ruft im bayerischen Dialekt und mit breitem Grinsen der Wachmeister über das kleine Torgitter. Seine Augen mustern mich kurz ab. „Treten sie ein, junge Dame“, fordert er mich charmant auf und führt mich weiter zur Sicherheitskontrolle. Ich lege meine Jacke und meine Dokumente in die vor mir liegende Plastikkiste. „Haben sie ein Handy oder sonst irgendwelche elektronischen Geräte dabei“, fragt mich ein zweiter Wachmann mit ernster Miene. „Nein, liegt alles Zuhause“, erwidere ich.

Die Dokumente – schon im Mai habe ich mir von AIDA Cruises alle wichtigen Visainformationen zuschicken lassen. Eine Beantragung macht erst Sinn, wenn alle Daten von der Reederei über seinen Vertrag, das Schiff und Hafen und die Kontaktperson vor einem liegen. Zudem wird ein Foto in US-Format 5×5 cm benötigt, um es beim DS-160 Antrag hochzuladen. Einen weiteren Abzug sollte man zur Sicherheit beim Interview im Konsulat mitnehmen. Auch der Reisepass muss noch lang genug gültig sein und parat liegen. Um sich einen Überblick über die Antragsprozedur zu verschaffen, ist die Webseite für Visainformationen der diplomatischen Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika in Deutschland empfehlenswert.

„Handy, Rucksack, Laptop, USB-Sticks oder kosmetische Artikel“, fragt er weiter. „Nichts davon habe ich dabei.“ Er nickt und schiebt die Plastikkiste durch das Kontrollgerät. Die Kiste verhakt sich. Derweil fängt der andere Wachmann wieder an zu grinsen und scherzt herum: „Ist schon schwierig so eine kleine Kiste zu koordinieren, manche studieren dafür!“ Wir müssen lachen. Während sie versuchen das kleine Debakel richtig einzulenken, blättert mein Gehirn noch einmal alle Papiere durch, ob ich wirklich an jedes Formular gedacht habe.

PC, Kaffee & DS-160 Antrag – sobald alle Informationen gesammelt sind, kann es mit dem DS -160 Antrag losgehen. Damit das Ausfüllen gelingt, empfiehlt sich eine stabile Internetverbindung, viel Kaffee, Zeit und Ruhe. Auf der Startseite wählt man das zuständige Konsulat aus. Dann gibt es direkt eine auf sich zugeschriebene Registrierungsnummer (Application ID), beginnend mit AA. Die Datei lässt sich entweder auf seinem Computer speichern oder online. Bei der Bearbeitung muss beachtet werden, dass diese nach 20 Minuten automatisch abbricht. Deshalb ist es wichtig, dass am Ende jeder einzelnen ausgefüllten Seite einmal auf „save“ geklickt wird, denn sonst sind alle Eingaben hinfällig. Zum Schluss wird das Passbild hochgeladen und der Antrag digital mit Passnummer & Code unterschrieben. Erst dann kann der Antrag eingereicht werden. Die Bestätigung (Confirmation Letter) mit dem persönlichen Barcode muss ausgedruckt und zum Termin beim Konsulat mitgebracht werden. Hier geht es weiter zum DS-160 Antrag.

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„Ich brauche ihren Reisepass, den Confirmation Letter und einen Brief ihres Arbeitgebers bitte“, flüstert mir die alte Dame mit englischem Akzent zu. Hier im Hauptraum warten schon circa 20 Leute auf ihren amerikanischen Moment. Ich denke mir insgeheim, das kann dauern mit meinem Interview. Ich blättere in meiner Mappe, hole die Dokumente heraus, inklusive der Receipt Number (MRV Fee Payment), die meine Zahlung der Visagebühr bestätigt.

Die Antragsgebühr zahlen – seit dem 14.12.2013 gibt es ein neues Verfahren für die Bearbeitung von US-Nichteinwanderungsvisa. Zwecks Terminvereinbarung und Zahlung der Visabearbeitungsgebühr muss ab sofort jeder Antragsteller ein Profil auf der Website des neuen Visainformationsdienstes CGI Federal anlegen. CGI Federal ist das einzige private Unternehmen, das mit Genehmigung der US-Botschaft und der US-Konsulate in Deutschland Visainformationen erteilt und bei der Visabeantragung mitwirkt. Der Antragsbetrag für mein C1/D Visum liegt derzeit bei 144 €. Der Betrag wird in US-Dollar (USD) angezeigt; die Gebühr ist aber in Euro (EUR) zu bezahlen. Sobald man angemeldet ist, erklärt sich das Meiste von selbst. Man geht auf „Einen Termin vereinbaren“, wählt seine entsprechende Visakategorie und die Einreichungsart aus, lädt das DS-160 Formular hoch und kommt dann zu den Zahlungsmethoden. Ich habe per Sofortüberweisung bezahlt. Es folgt eine Bestätigungsnummer für den MRV Fee Payment (receipt number). Zudem erhält man eine E-Mail, dass der Zahlungseingang erfolgt ist und der Account freigeschaltet wurde für die Terminvereinbarung.

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„Bitte gehen sie zum Schalter 2“, weist mich die Dame weiter. Mit einem, „Hello Madame, how are you“, begrüßt mich eine junge Frau. Ich gebe ihr den Reisepass, sie gleicht die Daten ab und nimmt meine Fingerabdrücke auf. Ich bin beruhigt, das Passfoto (5×5) entspricht den vorgegebenen Regularien. Eine Antragstellerin vor mir hatte ein Passfoto im falschen Format mitgebracht und musste vor Ort im Konsulat ein Neues machen. Aus diesem Grund sollte man das nötige Kleingeld immer dabei haben, denn der Fotoautomat nimmt keine Scheine an. Kurz vor 11 Uhr ist es dann so weit, ich werde zum Interview aufgerufen.

Die Terminvereinbarung im US-Konsulat – die Interviewterminvereinbarung muss entweder online auf der CGI Stanley Website oder telefonisch über das CGI Callcenter unter der Rufnummer +49 (0)32221093243 vorgenommen werden. Ich habe mich für den Onlineweg entschieden. In einem Kalender sind alle freien Termine der US-Konsulate einzusehen, von denen man sich einen aussuchen kann. Anschließend erhält man eine Terminbestätigung (Appointment Confirmation), worauf auch der Zahlungsnachweis noch einmal notiert ist. Zur Sicherheit habe ich meinen Kontoauszug ausgedruckt mitgenommen, andere haben sich einen von ihrer Bank abstempeln lassen.

Ich gehe vorbei an nervöse Gesichter, Menschen mit Kopfhörer oder Bücher in der Hand. Und wieder werde ich mit einem, „Hello Madame, how are you?“, begrüßt. Dieses Mal steht ein junger Mann hinter dem Schalter. Es folgen ein paar englische Fragen zu meiner Arbeit als 2nd TV Operator an Bord. Was ich mache? Wie lange ich bleibe? Ob ich schon in Deutschland gearbeitet habe? Das Interview für mein C1/D Visum verging schnell und nach fünf Minuten war ich fertig und wieder draußen.

Wann kommt mein Reisepass – mein Visum wurde am selben Tag noch ausgestellt, an dem ich den Termin hatte, und ich hatte den Pass schon zwei Tage später im Briefkasten. Es kann natürlich sein, dass es auch mal länger dauert. Dann lässt sich hier online verfolgen, wie es mit dem Visum weitergeht, bis der Pass zu einem zurückkommt.

Ich sitze lächelnd im Bus in Richtung Heimat. Die Sonne scheint. Nicht einmal eine Stunde habe ich im Konsulat verbracht. Das ging schneller als erwartet. Alle waren freundlich im US-Konsulat in München. Grundlos Panik – noch vier Wochen, dann kann es losgehen! Doch jetzt lehne ich mich zurück und genieße erst einmal meinen Urlaub.

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