Rotes Meer: 1 Monat an Bord & mir geht es gut

Über fünf Wochen Dreharbeiten auf der AIDAstella im Orient liegen hinter mir. Nur wenig habe ich bisher darüber berichten können. Entweder war die Zeit zu knapp oder ich war einfach zu erschöpft von den Dreharbeiten. Zudem kommt, dass ich meine knapp berechnete Freizeit lieber zur Besichtigung der Städte oder zum Kennenlernen von Einwohnern investiert habe, statt am Laptop zu sitzen. Doch nachdem mich viele liebevolle Geburtstagsgrüße aus meiner Heimat erreicht haben, möchte ich Euch auch einen Gruß zurückschicken.

1

Danke für die herzlichen Geburtstagsgrüße! Es geht mir gut an Bord. Mein Geburtstag war spontan, abenteuerlich und einzigartig. Mein 24. Lebensjahr begann mit einem Ausblick auf die nächtliche Skyline von Abu Dhabi, direkt am Strand. Am nächsten Morgen, noch etwas müde von der durchtanzten Nacht mit Kollegen, ging es für mich in die achtgrößte Moschee der Welt – die Scheich- Zayid-Moschee. Denn auch, wenn man an Bord Geburtstag hat, muss die Arbeit weiterlaufen. Leider hatte ich nur wenig Zeit, um die Schönheit der riesigen Moschee auf mich wirken zu lassen. Denn die Security war ganz und gar nicht von meinem Filmvorhaben beeindruckt und wollte mir das Drehen verwehren. Nach längerer Diskussion durfte ich dann zu mindestens mit einer kleineren Kamera  Innen- und Außenaufnahmen von der Moschee machen. So blieben mir zum Schluss nur noch 20 Minuten, um zumindest einen Teil ihrer weißen Prächtigkeit einzufangen. Geschafft von den Dreharbeiten ging es nach vier Stunden wieder zurück zum Schiff. Erst als die ersten Kollegen auf mich zukamen, wurde mir wieder bewusst: “Stimmt, ich habe ja heute Geburtstag.”  Nach einigen Umarmungen, einem “Happy Birthday”-Ständchen, gab es dann sogar noch einen Geburtstags-Cheesecake und eine alte Seekarte von meinem TV-Team als Geschenk.

Es ist schon Wahnsinn, wie schnell man sich hier an die Menschen gewöhnt und einige davon wirklich ins Herz schließt. Sicher entsteht nicht mit jedem die innigste Freundschaft, aber man wächst von Tag zu Tag immer mehr als Crew zusammen. Wie schnell dabei die Zeit vergeht. Ein merkwürdiges Gefühl. Einerseits fühlt es sich so an, als würde ich schon viel länger an Bord sein. Andererseits sind es erst fünf Wochen von 4,5 Monaten. Mein Zeitgefühl ist komplett aus dem Gleichgewicht. Ein Erlebnis schiebt sich nachdem anderen in meinem Kopf. Es gibt Momente in denen die Zeit stillstehen zu scheint.  Aber auch Tage, die wie im Fluge vergehen. Dubai – Muscat – Abu Dhabi – Bahrain – Dubai – Muscat – Abu Dhabi – Bahrain – Dubai. Die Route rotiert vor sich hin. Kollegen und Gäste kommen und gehen. Manchmal wache ich in meiner Kabine auf und frage mich, wo sind wir eigentlich gerade?

Wenn ich abends die Tagesschau über den Fernseher in meiner Kabine anschaue, wirkt die Welt zu Hause so fern. Hier auf dem Schiff umringt mich die Urlaubsstimmung und heile Erholungswelt der Gäste. Lese ich dann abends die Nachrichten, holt einen schnell die bedrückende Realität wieder ein. Seien es die Sprengstoffanschläge am 22. März  in Brüssel oder der Selbstmordanschlag auf den Familienpark zu Ostersonntag  in der pakistanischen Millionenmetropole Lahore. Die Welt außerhalb des Schiffs dreht sich weiter mit ihren vielen Gesichtern.

DSC_4339

Aber mir geht es gut und ich genieße die Zeit in vollen Zügen. Natürlich gibt es viel zu tun. Durch das tägliche Tragen von Kamera und Stativ nehmen meine Armmuskeln stetig zu. Die Zeit vergeht hier, wie im Fluge. Da es in unsere Kabine auch kein Fenster gibt, existieren in den 15 m² auch kein Tag und keine Nacht. Oft muss ich überlegen, welchen Wochentag wir eigentlich haben. Denn der Genuss von einem Wochenende bleibt mir für die nächsten Monate fern.  Seitdem ich an Bord bin, trage ich wieder eine Armbanduhr. Ohne diese wäre ich in jedem Fall aufgeschmissen. Meistens beginnt mein Arbeitstag um 8 Uhr und dauert circa 8-10 Stunden. Für jeden Ausflug gibt es einen Drehplan mit Deadlines bis wann was fertig sein muss. Von Tag zu Tag merke ich, dass mehr Routine entsteht, da sich zum Teil die Themen der Kurzbeiträge wiederholen. Ich werde schneller und präziser beim Drehen. Dadurch bleibt mir zum Schluss des Tages auch mehr Freizeit, um auch privat “unvergessliche Momente” festhalten zu können. Momente, die sich nur schwierig in Worten fassen lassen. Meine Gedanken sind heute trotzdem in der Heimat bei meinen Freunden und bei meiner Familie. Ein Prosit auf ein neues Lebensjahr!

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s