VOLONTARIAT BEI THOMAS JUNKER: 18 Monate Volontariat – Ein Re­sü­mee

Seit zwei Jahren habe ich nun den Filmemacher Thomas Junker bei seinen Auslandsdokumentationen für die ARD/MDR assistiert. Tage, Wochen und Monate, in denen sich viele emotionale Augenblicke in meinen Erinnerungen manifestierten. Lange verdränge ich das Enddatum meines Volontariats. Ich bin kein großer Freund von Abschieden. Aber nun ist der letzte Tag da. Ich verlasse das Büro, schaue zurück mit einem lachenden und einem wehmütigen Auge. Wo ist nur die Zeit hin?

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*** Die erste Begegnung ***

Drehen wir die Zeit vier Jahre zurück. 2012 lerne ich das erste Mal den langjährigen Dokumentarfilmer und Journalisten Thomas Junker bei einem Vortrag an unserer Hochschule Mittweida kennen. Das Spektrum seiner Dreherfahrungen im Ausland für den Mitteldeutschen Rundfunk reißt mich förmlich von der ersten bis zur letzten Sekunde mit. In über 100 Ländern war er mit seiner Kamera bisher – immer auf der Suche nach dem Alltagsleben der Menschen. Der Nord- und Südpol, das Himalaya-Gebirge und die Wüste Sahara sind nur Bruchteile seiner bisherigen Meilensteine. Besonders beeindruckt mich seine 99-tägige Weltumrundung auf dem Motorrad im Jahre 1996. In seinem Vortrag macht er deutlich, welche Anstrengung und präzise Vorbereitung jede Produktion abverlangt. Nicht zu vergleichen mit einer jährlichen Urlaubsreise, sondern es ist und bleibt harte Filmarbeit, bei der einem nichts geschenkt wird. Für mich als damalige 19-jährige Medienmanagementstudentin ist er ein Idol mit einem beeindruckenden Beruf, einem fernen Traumberuf!

*** Ein Lebenabschnitt als Anstoß für die nächste Etappe ***

Jetzt schreiben wir das Jahr 2016. Aus dem einstigen Traum ist Realität geworden. Zumindest im Ansatz. Exakt zwei Jahre Zusammenarbeit mit Thomas Junker liegen hinter mir. Als Praktikantin und Volontärin. Was habe ich gelernt? Vieles. Vieles, was sich schwer in Worten fassen lässt. Denn es ist nicht nur das Handwerk der Recherche-, Kamera- und Schnittarbeit, die ich bei ihm und seinem Cutter Torsten Zürn erlernen durfte.

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Ich lernte vor allem auch ganz banale Dinge des Lebens. Geduld zu haben. Konzentriert, fokussiert und zum richtigen Zeitpunkt da zu sein. Fehler zu machen ist menschlich. Nur dürfen sich diese nicht andauernd wiederholen, sondern man sollte aus ihnen lernen. Dass eine exakte Vorbereitung die halbe Miete ist, aber dass sich eine Vorstellung durch äußere Einflüsse auch immer unerwartet verändern kann. Heißt flexibel sein und immer Alternativpläne im Kopf einkalkulieren. Auf Qualität statt Quantität setzen. Alles Eigenschaften, die nicht nur wichtig für die Produktion von Dokumentationen sind, sondern auch grundsätzliche Werte des Lebens bilden. Oft diskutierten wir bei unseren langen Autofahrten über Berichterstattungen zu gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen. Inwiefern hat sich der Journalismus gewandelt? Wie sieht dessen Zukunft aus? Manchmal endete unser Gespräch nur mit einem gemeinsamen Kopfschütteln. Meine Augen sind geschulter und ich lese heute Artikel aus einer anderen Perspektive. Dennoch beherrsche ich alle diese Dinge noch längst nicht in Perfektion. Doch das Volontariat gibt mir den Anstoß, weiterhin an ihnen zu arbeiten.

*** Das Kaunertal und seine Einzigartigkeit***

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Besonders ans Herz gewachsen ist mir das Kaunertal mit seinen liebenswerten Menschen. Eindrucksvolle Persönlichkeiten, denen ich bei den Dreharbeiten für die 150-minütige Dokumentation EIN JAHR IM KAUNERTAL – NACHT & HEINT begegnet bin. Gleich zu Beginn wurde ich mit offenen Armen vom Produktionsleiter Charly Hafele, der selbst im Kaunertal lebt, empfangen. Irgendwie habe ich eine zweite Heimat dazugewonnen. Wichtige und schon fast vergessene Werte wurden mir durch die über 60 Zeitzeugeninterviews mit auf den Weg gegeben. Zudem kamen eindrucksvolle Drehtage, beispielsweise am Kaunertaler Gletscher, im Staudamm des Gepatschspeichers, am Hangkanal, mit den Hirten auf der Birg Alm oder in der Verpeilhütte. Überall wurde Gastfreundlichkeit großgeschrieben. Nicht vergessen werde ich den einzigartigen Genuss des Kaiserschmarrens von Hermine Hafele, der Kaspressknödel von Barbara Braunhofer und der Kochkünste von Paul Hafele. Das Kaunertal ist sowohl kulinarisch als auch menschlich ein einzigartiges Tal. Und jedem empfehle ich, entweder das Tal persönlich kennenzulernen oder sich Zeit zum Anschauen unserer Dokumentation zu nehmen. (Uraufführung: 15./16. April 2016)

*** „Tschai, Pelmeni & Nomaden“ – Von der Recherche zur Realität ***

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Jedes Jahr ist Thomas Junker im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunk im Ausland für die Produktion einer 5-teiligen Dokumentation unterwegs. Ihn auf einen seiner Reisen zu begleiten war ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Volontariats. Für den Sommer 2015 plante Thomas eine Dokumentation mit dem Namen TSCHAI, PELMENI & NOMADEN. Ich recherchierte nach Themen, Menschen und Geschichten für die bevorstehenden Dreharbeiten in Kasachstan, Zentralrussland und der Mongolei. Eigentlich sollte ich Thomas bei der kompletten Expeditionsreise assistieren. Doch leider wurden uns arbeitsrechtliche Hürden gesetzt. Als Festangestellte gibt es ein gesetzlich vorgeschriebenes Arbeitsstundenlimit, welches man auf einer derartigen Auslandsproduktion nur schwierig einhalten kann. Deshalb fiel der Entschluss, dass ich ihn nur vier Wochen in Kasachstan begleiten kann. Dennoch war es eine einzigartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Eine Expedition mit überwältigenden Eindrücken. Die Zeit schien stillzustehen, als ich im Skigebiet Shymbulak in der Gondel saß und sich vor mir die Gletscher in den Bergen offenbarten. Als der Jurtenkonstrukteur Senbek Oshakbaev mit Stolz und Ausführlichkeit uns seine Arbeit zeigte. Nicht zu vergessen der Drehtag in der Moschee Amankulov Ata, wo ich, obwohl ich eine Frau bin, den Männern beim Gebet zuschauen durfte. Wer weiß, ob das jemals wieder ein Imam auf dieser Welt mir gewähren wird. Nachdenklich machten mich Momente an Orten wie Aralsk, einer Stadt, die einst für ihren Fischreichtum bekannt war. Oder die 10.000 Einwohner Stadt Kurtschatow, die nur wenige Kilometer vom ehemaligen sowjetischen Atomtestgelände Semipalatinsk entfernt liegt. Ich könnte noch viele weitere Momente hier aufzählen.

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Mir wurde bewusst, dass es vieles im Internet nachzulesen gibt. Darin verstecken sich aber häufig gerne Unwahrheiten, Klischees oder meinungsbeeinflusste Informationen. Eine entscheidende Lehre für mich, die Vorortrecherche ist immer noch die vertrauenswürdigste Quelle. Die Vorstellung daheim unterscheidet sich zum Teil rapide gegenüber der Wirklichkeit. So meinen manche, dass eine derartige Auslandsproduktion eigentlich einem paradiesischen Urlaubstrip ähnelt. Ja, ich habe viel gesehen und viel kennengelernt. Doch am Ende mussten trotzdem ausreichend Geschichten für eine 5-teilige Dokumentation mit nachhause gebracht werden. Ein durchschnittlicher 14-Stunden-Arbeitstag ist bei einer solchen Thomas Junker Produktion normal. Über freie Wochenenden wollen wir nicht reden. Aber anders lässt es sich auch nicht realisieren.

*** Ein Abschluss, aber kein Abschied ***

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Heute ist der letzte Tag meines Volontariats. Ich schaue auf eine Zeit mit Thomas Junker zurück, aus der ich vieles mitnehmen kann. Ich konnte mich immer in Dingen ausprobieren und erhielt auch immer ein gerechtfertigtes Feedback zu meinen Arbeiten. Ich habe nicht nur an Erfahrungen dazu gewonnen, sondern auch einen guten Freund. Ich werde seinen morgendlichen Kaffee, die anregenden Diskussionen während unserer Autofahrten, die angenehmen Drehtage mit ihm vermissen. Aber wie gesagt, ich bin kein Freund von Abschieden. Es ist nur ein Abschluss meines Volontariats. Denn ein Wiedersehen wird es allemal geben. Da bin ich mir sicher!

Danke Thomas!

 

2 Kommentare zu „VOLONTARIAT BEI THOMAS JUNKER: 18 Monate Volontariat – Ein Re­sü­mee

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