VOLONTARIAT BEI THOMAS JUNKER: Kaunertal – Eine Frau über dem Horizont

Getrieben von Wanderlust und Herausforderungen. Unermüdlich mit jugendlicher Neugierde. Die Weltmeisterin und Paralympicsiegerin im Monoskifahren Gerda Pamler saugt die Momente ihres Lebens leidenschaftlich in sich auf. Augenblicke des Daseins, von denen viele aus den letzten 28 Jahren Monoskikursen im Kaunertal stammen. Und die 57 jährige Münchnerin ist noch längst nicht fertig mit ihrer Sammlung von Abenteuern.

Es war ein sonniger Dienstag, um 10:00 Uhr, als wir Gerda Pamler zu der neuen und barrierefreien Aussichtsplattform „Adlerblick“ begleiten dürfen. Eine Plattform die auf einer über 100 Meter hohen Felswand oberhalb von Feichten im Kaunertal errichtet wurde. Kurve für Kurve arbeitet sich Produzent Charly Hafele mit dem Transporter über den steinigen Weg hoch. Mit am Bord Thomas, Gerda und ich. Vorbei rauscht der Duft von Zirbenbäumen, umringt vom Klang der Vögel. Gerdas Augen beginnen durch ihre Brille zu strahlen. Der warme Sommerwind weht durch ihr kurzes, graues Haar und ihre Mundwinkel richten sich zu einem ansteckenden Lächeln auf. Seit über 28 Jahren besucht die taffe Rollstuhlfahrerin das Kaunertal. Eigentlich ist Gerda nur im Winter hier, wenn sie Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen mit Handicap, das Monoskifahren im Gletscherskigebiet beibringt. Das Tal in sommerlicher Bemalung hat sie dagegen bisher nur selten gesehen.

Wer sich auf Klischees über Rollstuhlfahrer beruft, würde keine Sekunde auf die Idee kommen, dass Gerda einen Dschungelbesuch in Südamerika hinter sich hat, die Aussicht vom Machu Picchu genoss, Wasserski sehr erfolgreich und weltrekordhaltig fährt oder sich diesen Sommer an der Küste von Teneriffa auf einem Surfbrett schnallen lässt. Hürden im Alltag beeindrucken die 57 Jährige nur wenig. Ihr innerer Drang nimmt eher noch Anlauf, um diese zu bezwingen. Bewusst eigene Grenzen zu spüren. Physisch und psychisch über sich hinauszuwachsen. Immer getrieben vom Gefühl, etwas Neues zu lernen. Eine beeindruckende Einstellung zum Leben hat sie, von der man eigentlich etwas für sich selbst mitnehmen kann.

Geboren wurde die lebensfrohe Frau am 1. März 1958 im oberpfälzischen Zangenstein. Mit 16 Jahren zieht sie zu ihrer Tante nach München und wird Verwaltungsangestellte bei der Tierärztekammer. 1986 wird das Leben von Pamler durch einen Unfall, bei dem sie durch einen Vorwärtssalto einen Rückenwirbel bricht, in eine andere Richtung gelenkt. Nach einer siebenmonatigen Reha in Murnau, einen Wohnungsumzug und die Überwindung an einem Monoskikurs im Kaunertal teilzunehmen, entwickelt sie sich nach und nach zu einer Spitzensportlerin.

Ihre Leidenschaft für den Wintersport festigt sich wiederkehrend. Fast zwei Jahre lang ist sie die einzige Monoskirennfahrerin Europas, fährt bei den Männern mit. Zehn Jahre Leistungssport folgen, in denen sie Erfolge 1996 bei der Weltmeisterschaft in Lech am Arlberg, bei den Winterparalympics 1992 in Albertville und 1994 in Lillehammer sowie als Weltmeisterin Wasserski im Springen und Weltrekordlerin Wasserski im Slalom erzielte. Danach konzentriert sich die Sportlerin des Jahres 2000 des „Deutschen Rollstuhlsportverbandes e.V.“, immer mehr auf die Nachwuchsförderung für den Deutschen und Österreichischen Behinderten-Sportverband. Aktiv bringt sie Menschen mit körperlichen Einschränkungen das Monoski- und Wasserskifahren näher. Deshalb wurde Gerda Pamler mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Unser Transporter hält. Wir sind da. Nur noch ein paar Hundert Meter trennen uns von einem traumhaften Bergpanorama. Gerda fährt entspannt den barrierefreien Weg zur Aussichtsplattform entlang. Dort angekommen genießt die Abenteuerin den Moment und erzählt uns darauf, was das Kaunertal aus ihrer Sicht, so besonders macht:

Samantha M. Günther ist Assistentin dieser Filmproduktion und wird an dieser Stelle neben dem Filmemacher Thomas Junker von ihren Erlebnissen und Eindrücken während der Dreharbeiten berichten.

Mehr Infos zum Film “Ein Jahr im Kaunertal – Nacht & Heint” gibt es hier

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